Gedicht des Monats

Apr
2026

Die Birke hat sich müde gesonnt

 Die Birke hat sich müde gesonnt. 
Ihre tausend und tausend 
Hellgrüner Blätter tranken
Schwere Fülle goldigsten Lichts einen ganzen,
Langen Frühlingstag. 
Nun sinken sie müde herab, 
Tiefer senkt jeder Zweig sich. 
Es will Abend-werden 
Und es, schließen sich 
Tausend satte müde Blumenkelche 
Und neigen sich. 
Schwerer selbst duften die Blüten am Baum 
Und wiegen sich leiser 
Und es spielt, 
Zart über die braune Erde, 
Das ,junge Grün, 
Das Licht der scheidenden Sonne, 
Die tiefer und tiefer 
Im Westen sinkt. 
Und es tanzen 
In Ihrem letzten goldenen Strahl schwebend, 
Die Mücken. 
Tanzen im dämmernden Abendschatten, 
Tanzen bis tief in die samtweiche Nacht .
Warm ist die Erde und warm ist ihr Hauch, 
Warm noch vom letzten 
Glühenden Kuss ihres goldnen Gespiels. 
Und leise noch flüstert es im Gezweig 
Vom Tag, der gewesen. 
Länger die Schatten. Es sinket das Grau 
Und hinter den Bergen, da dunkelt die Nacht, 
Die bald Alles umfängt in weichem Arm, 
Bis Alles verstummt, 
Und nur noch im Traum ein Blatt sich bewegt. 
Im wiegenden Traum 
Vom warmen, zärtlichen, Frühlingstag. 
Die Birke hat sich müde gesonnt, 
Müde gesonnte hat sich die Erde, 
Schlafen will die Birke nun, 
Schlafen die Welt! 

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